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Musik als Seelennahrung


Wir, fünf betroffene junge Frauen, haben uns im Rahmen einer musiktherapeutischen Gruppe kennen gelernt. Hier entstand die Idee, mit unserer Musiktherapeutin und einer Grafikerin, eine interaktive Ausstellung über Ess-Störungen zu konzipieren.

In dieser Zeit konnten wir durch aktives Musizieren und durch die Beschäftigung mit Liedern, die uns bewegen, neue Zugänge zu unseren Gefühlen finden und ihnen auf kreativen Wegen Ausdruck verleihen. Wir möchten unsere gesammelten Erfahrungen und die wiedergewonnene Hoffnung an andere Betroffene weitergeben. Über Bilder, Texte und Musik wollen wir Betroffene und Interessierte direkt aber sensibel ansprechen und gleichzeitig aufzeigen, dass in jedem Menschen Kreativität als Lösungspotential schlummert.

(Melissa, Lara, Nathalie, Mia und Annika)


"Ich spüre meinen Körper nicht mehr", "Ich fühle mich leer","Alles klingt monoton und hohl". Diese Aussagen höre ich oft, wenn Jugendliche mit Ess-Störungen zum Erstgespräch in meine Praxis kommen. Sie fühlen sich "unbewohnt" und damit in sich selbst nicht mehr "zuhause". Alle Lebendigkeit, Vitalität und Kreativität scheint wie erloschen. Stattdessen hat die Ess-Störung Einzug gehalten und hinterlässt, wenn nicht rechtzeitig erkannt, schwere körperliche und seelische Folgen.

Eine Ess-Störung wird nie freiwillig gewählt. Sie ist ein unglücklicher Versuch, um mit schweren Konflikten, belastenden Situationen und Gefühlen fertig zu werden. Doch der Lösungsversuch wird zunehmend zum Problem. Denn hinter jeder Ess-Störung verbirgt sich ein emotionaler Hunger, der mit noch so viel physischer Nahrung nicht gestillt werden kann.

Um diesen Teufelskreis aus Essen/ Hungern oder Erbrechen zu durchbrechen müssen im Rahmen der Therapie Bedingungen geschaffen werden, die es den Betroffenen ermöglichen, sich auf die Suche nach ihrem wahren Hunger zu machen. Und so bedarf es einer "Nahrung", die auf wertschätzende Weise zu körperlichen und seelischen Bedürfnissen zurückführt. Gerade hier eröffnet Musik, als Sprache der Gefühle, den Betroffenen neue Ausdrucksmöglichkeiten anstelle des gewohnten Essrituals. Im aktiven musikalischen Spiel und im Hören von Musik kann ein direkter Zugang zu Gefühlen gefunden werden, die in Verbindung mit der Erkrankung stehen. Auch dort, wo Sprache zunächst versagt, weil Erlebnisse schmerzhaft sind, kann Musik einen Zugang schaffen. Auf diesem Weg finden Themen und unterdrückte Gefühle Resonanz und können im Gespräch psychotherapeutisch bearbeitet werden. Gleichzeitig werden im aktiven schöpferischen Tun kreative und soziale Fähigkeiten wieder neu belebt und geweckt. Sie lassen Wünsche, Träume und Sehnsüchte wieder spürbar werden, die weit über das Essen hinausgehen und neue Lebensperspektiven aufzeigen.

 

Stephanie Lahusen (Projektleitung und Dipl. Musiktherapeutin)

Kontakt

Wenn Du uns noch persönliche Worte zur Ausstellung schicken möchtet oder noch Fragen, Anregungen oder interessante Informationen zum Thema hast, dann schreib uns doch eine mail an info@klang-meines-koerpers.de. Wir freuen uns auf Deinen Beitrag!